Geheimlehren: Als Ägypten noch ein Land des Lichtes war

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Wer die Meldungen aus Ägypten in den Medien verfolgt – von Krawallen, Demonstrationen, zunehmendem Fanatismus, Chaos, wo man hinblickt –, vergisst leicht, welche Hochburg wahrer Kultur und Zivilisation Ägypten einst war. Einst war es ein Erbe des untergegangenen Atlantis und ein Ort, wo wahres Einweihungswissen die Pharaonen und die Priester lenkte. Blicken wir viele Jahrtausende zurück in die ägyptische Blütezeit und lernen wir eine Art von Leben kennen, das ganz vom Geist und nicht vom Geld durchdrungen war!

Die Menschen sind sterbliche Götter und die Götter unsterbliche Menschen. Glücklich, wer den Sinn dieser Worte erfasst, denn er besitzt den Schlüssel zu allem! Das Geheimnis des Osiris

Er ist ein erfülltes Versprechen. Er ist der Vater, der dich durchs Leben trägt und die Mutter, die dich nährt. Er ist wie der Lebenshauch Gottes, der die Leere belebt. Wenn du jemals das Gleichnis des Lebens mit deinen Augen sehen willst, dann begib dich an die Ufer des Nils, dieses mystischsten aller Flüsse, dieses unvergleichlichen Stroms, fast siebentausend Kilometer lang, der in Schwarzafrika entspringt und im Mittelmeer mündet und dabei immer wasserreicher und mächtiger wird, obwohl kein einziger Zufluss ihn speist. Wenn du jemals erleben willst, wie Wasser Wasser gebärt, dann segle auf dem Nil, wo du auch den Frieden finden wirst und die Ruhe, die deine Seele ersehnt, und die Schönheit des einfachen Lebens: Kinder, die am Ufer spielen, die grünen Felder voller Menschen, die pflanzen, da und dort Kühe oder Wasserbüffel, kleine Lehmhäuser unter Palmen. Palmen so weit das Ufer reicht, da und dort ein spitzes Minarett, das sich zu Gott emporreckt, und am nahen Horizont die goldgelben Sandberge der Wüste Sahara. Die dunkelhäutigen Männer in ihren langen Galabijas, und dann, wenn du es am wenigsten erwartest, hinter der nächsten sanften Biegung dieses majestätischen Flusses, die mächtigen Säulen eines alten Tempels.

Ägypten- ein Land des Lichtes

Wie muss das Leben damals ausgesehen haben, als dieses Land in seiner Blüte stand? Gewiss, das Ägypten von heute ist auch ein Sinnbild des Niedergangs. Die kleinen, schmutzigen Gässchen mit ihren schreienden Eselstreibern, mit den Menschen, die am Boden hocken und ihre Ware feilbieten: Sie sind nur der letzte flüchtige Schatten dessen, was einst hier leuchtete und lebte. Sie sind wie der Greis in der Stunde seines Todes, nach welchem tröstlich die Auferstehung folgt.

Damals, vor Tausenden von Jahren, war dieses Land eines der am höchsten entwickelten auf Erden – zusammen mit wenigen anderen Reichen in Südamerika und mit Teilen von Griechenland. Alle waren sie Erben des alten Atlantis; Zufluchtsstätten jener, die nach der „Sintflut“ geflüchtet waren. Jener, den wir als ‚Noah‘ aus der Bibel kennen, landete dort, wo sich der Nil ins Mittelmeer ergießt. Er brachte ein kostbares Gut mit, das die Menschheit zu ihrer Höherentwicklung brauchte. Wir befassen uns also mit einer Zeit, die mindestens zwölf-, wenn nicht vierzehntausend Jahre zurückliegt,[1] wobei das Nilreich seinen Scheitelpunkt damals wohl bereits überschritten hatte, wie es eine Passage in den Mahatma-Briefen vermuten lässt: „Diese Geschichte und Wissenschaft hat nur wenige zufällige und nebelhafte Einblicke von Ägypten auf etwa 12‘000 Jahre zurück, als sein Zyklus, dessen Gipfel es schon Tausende von Jahren vorher erreicht hatte, sich bereits zu senken begann.“ Auf einer der Papyrusrollen, die von einem Weisen und Historiker namens Manetho geschrieben wurde, stand, dass während 13‘900 Jahren die Weisen aus Atlantis Ägypten regiert hätten. Dieser Papyrus setzt den Höhepunkt der atlantischen Zivilisation an den Beginn der ägyptischen Geschichte, etwa vor 16’000 Jahren. Das, was wir von Ägypten kennen und ausgegraben haben, stammt also alles schon aus der Zeit des Niedergangs.

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Der Pharao – ein Priesterkönig

Die Menschen im alten Ägypten lebten nicht nur in einer anderen, fernen Zeit, sie lebten auch in einem anderen Kosmos der Gedanken, Wahrnehmungen und Gefühle.[2] Kein scharfer, kritischer Intellekt trennte sie vom Nächsten, dafür war Hellsichtigkeit weiter verbreitet als bei uns. Ihr ganzes Leben war viel zeremonieller, als wir es uns heute vorstellen können, was sich auch in ihrer komplizierten Hieroglyphen-Schrift äußert: Sie wäre denkbar ungeeignet gewesen für Zeitungsdruck, doch der vollkommene Ausdruck für Mysterienweisheit und Götterverehrung mit oft mehrdeutigem Sinn.

Im alten Ägypten herrschte Theokratie. Der Pharao war Stellvertreter Gottes und nicht nur dem Worte nach, sondern auch dadurch, dass er die höchsten Einweihungen durchschritten hatte. „Eure Heiligkeit“ wurde der Pharao angesprochen – ein Titel, den heutzutage nur noch der Papst trägt. Er zeigt, wie sehr das Amt des Pharao auch ein geistiges war. Die Halle, in der der Pharao Audienz hielt, war hoch und ihre Wände und Decke in reichen sanften Farbtönen mit Schiffen, Tieren, Blumen, Früchten und himmlischen Wesen bemalt. Ihr Dach wurde von roten Säulen getragen, die an der Basis in Form von Baumwurzeln geschnitzt waren; die Säule selbst stellte einen Baumstamm dar; Äste und goldene Blätter erstreckten sich über die Decke. Beim Hineingehen wurde der Eindruck erweckt, einen goldenen Baumwald zu betreten, dessen Stämme von roter Rinde bedeckt waren. Vom Dach sowie von kunstreich konstruierten Öffnungen in den Wänden fiel Licht in die Halle; wo es notwendig war, leuchtete das Licht der Sonnenstrahlen, alles Übrige wurde in gedämpftes Licht getaucht. Dadurch wurde eine förderliche Atmosphäre für klares Denken geschaffen, wie es für das Formulieren von Gesetzen, die der Wohlfahrt des Volkes galten, dienlich war. Am Ostende des Raumes saß der Pharao auf einem kunstvoll geschnitzten Thron, zu dem drei goldene Stufen führten. Im Verlaufe seines langen Lebens hatte er reichliche Erfahrungen hinsichtlich des menschlichen Lebens gesammelt und in seinem Gesicht spiegelten sich die Zeichen eines starken, resoluten Charakters wider. Ein Pharao war damals noch immer ein Mann strikter Selbstdisziplin, der streng, ja manchmal sogar unerbittlich gegenüber seinen Untergebenen sein konnte, wenn die Situation es erforderte. Er hatte ein scharfes Wahrnehmungsvermögen und eine feine Einfühlungsgabe in die menschliche Natur. Jene, deren Schicksal es war, dereinst als Pharao zu herrschen, mussten sich in ihren jungen Jahren einer geistigen Ausbildung im Tempel unterziehen, wo sie sich mit der „alten Weisheit“ vertraut machten.

Jeder herrschende Pharao ernannte seinen Nachfolger selbst, und vieles deutet darauf hin, dass in der Frühzeit Ägyptens die Nachfolge über die Frauenlinie erfolgte. Höchstwahrscheinlich herrschte jeweils ein Pharaonenpaar gemeinsam, wobei die Tochter des Pharaos erbberechtigt war und ihr erwählter Gatte dann zum Pharao wurde. Hatte ein Pharaonenpaar keine leibliche Tochter, verlangte das aus Atlantis stammende Gesetz, dass es einen Mann zum künftigen Pharao bestimmte, dessen Frau aus der königlichen Familie stammte. Laut Helena Blavatskys Geheimlehre gab es im alten Ägypten sogenannte „Königliche“ und das normale Volk. Erstere stammten größtenteils aus dem untergegangenen Atlantis und waren oft nicht irdischer Herkunft, sondern einst von Planeten wie der Venus, dem Merkur oder dem Uranus zur Erde gekommen, um die gefallene Menschheit[3] zurück auf den Pfad des Lichtes zu führen. In der Frühzeit hatten noch viele Ägypter helles oder rötliches Haar und blaue oder grünblaue Augen. Auch Cyril Scott spricht von den sogenannten „Götter-Menschen: bedeutende Adepten, große Königs-Eingeweihte, die auf der Erde lebten und über die Menschen herrschten“ und die, weil sie so herausragten, dann später von den Menschen zu Göttern erhoben wurden – nicht anders, als man es mit Buddha oder Jesus machte.

Bei der Wahl des Nachfolgers ließ der Pharao nicht einfach seinen „freien“ Willen walten, sondern meditierte, um den Willen des Sonnengottes zu ergründen. Derjenige, auf den die Wahl dann fiel, hatte ebenfalls eine längere Zeit des Gebets und der Meditation zu durchleben, bevor er im Sternentempel unter der Pyramide durch die Einweihung schreiten konnte, die ihn zur Ausübung seines hohen Amtes befähigte.

Ägypten sah sich als ein Reich des Lichts inmitten geistiger Dunkelheit, und die vielen großartigen Tempel, die im Laufe seiner langen Geschichte erbaut wurden, dienten nicht der Verherrlichung irgendwelcher menschlichen Macht, sondern dazu, heilige Fokusse für die Energien der Götter darzubieten, damit diese durch Ägypten Licht und Ordnung auf Erden verankern konnten. Vor allem anderen war der Pharao ein Hohepriester, dessen Aufgabe darin bestand, in genau festgelegten Tempelzeremonien dieses göttliche Licht auf Erden zu magnetisieren. Im alten Ägypten wusste man, dass ein Volk nur dann Wohlstand und Zufriedenheit genießen konnte, wenn seine Regierungsform auf den geistigen Gesetzen beruhte. Wurde diese Voraussetzung nicht vom Herrscher bis zum kleinsten Glied im gesellschaftlichen Leben verstanden und erfüllt, konnten daraus nur Chaos und Unglück entstehen. Um die Selbstsucht auszumerzen, galt es, den Menschen zuerst ein Ideal der Brüderlichkeit einzuprägen, sie in kleinen Gruppen zusammenzuziehen und ihnen beizubringen, wie sich jeder Einzelne auf die geistige Ebene einstimmen konnte. Vielen geistig fortgeschritteneren Ägyptern war es möglich, sich auf höhere Ebenen zu erheben und dort die Erinnerung an ihre verflossenen Leben wachzurufen. Dies taten sie hin und wieder, und zwar nicht aus Neugier oder Sensationslust, sondern um von anderen Kulturen und Erfahrungen zu lernen.

Viele Götter und doch nur ein Gott

„Die ägyptische Religion war in ihrer reinen und ursprünglichen Form ebenso geistig hochstehend und philosophisch wie die Religion der Veden, und ihr grundlegender Lehrsatz ist die Einheit mit Gott, dass der Mensch aus Gott hervorging und schließlich wieder zu ihm zurückkehren wird. Demnach glaubte der Ägypter an die Unsterblichkeit der Seele und folglich auch daran, dass jene ‚Großen Wesen‘, die er oder seine Ahnen geliebt und verehrt hatten, immer noch weiterlebten, obwohl sie in die höheren Sphären eingegangen waren“, schreibt Cyril Scott.[4] Anders als der alte Inder, der ein Mystiker war, dem es um die Erfahrung spiritueller Glückseligkeitging, war der Ägypter eher ein Wissenschaftler oder Magier, der sich okkultes Wissen bei seinen Einweihungsriten erwerben wollte. Die Göttervorstellung in Ägypten war daher nicht einfach das Ergebnis aus einem tiefstehenden und unwissenden Aberglauben, sondern die logische Folge aus dem durch die Einweihung erworbenen Wissen. Wobei keineswegs jeder zur Einweihungsprüfung zugelassen wurde. „Genauso wie heute von der breiten Masse gesagt werden kann, dass sie die Wahrheit hinsichtlich ihresLehrers nicht kennt, so befand sich auch die Allgemeinheit des ägyptischen Volkes in Unwissenheit hinsichtlich seiner Götter“, bemerkt Cyril Scott. Und auch John Gardner Wilkinson postulierte: „Selbst die Priester waren nicht unterschiedslos zu der Ehre der Einweihung zugelassen … weder vertrauten die Ägypter das Wissen um die ‚Mysterien‘ einem jeden an, noch entwürdigten sie die Geheimnisse der göttlichen Dinge dadurch, dass sie diese dem Profanen enthüllten – sie behielten sie für den gesetzmäßigen Thronerben und für solche Priester vor, die an Tugend und Weisheit hervorragten.“[5]

Für den Ägypter gab es sowohl viele Götter, denen er seinen Tribut zollte – ähnlich den Schutzheiligen der Katholiken –, wie auch die Grundlehre von einem Gott, den er dann symbolisch in seine verschiedenen Attribute aufspaltete, manchmal mit Namen versah und darstellte – die göttliche Güte, die Weisheit, die Macht etc. Diese Figuren wurden also nicht als reale ‚göttliche Wesen‘ betrachtet, sondern waren lediglich Symbolgestalten für die verschiedenen Aspekte des einen Gottes.

Für Ägypter der ganz frühen Hochkultur war die Reinkarnation eine bekannte und zentrale Tatsache gewesen und wie schon erwähnt, konnten damals höher entwickelte Menschen bewusst ihre früheren Erdenleben erkunden. Als Spender allen Lebens verehrten sie den Sonnengott – genau wie die anderen geflohenen atlantischen Völker in Mittel- und Südamerika. Schönheit, Harmonie und Lachen waren die Grundtöne ihres schillernden Lebens, denn sie glaubten, Ra verleihe ihnen die Gaben ihres reichen Landes zu ihrem Vergnügen. Oft glitten Festzüge geschmückter Staatsbarken den Nil hinauf und hinunter, dessen Wasser auch als Kraftquelle bei der Errichtung von Tempeln und öffentlichen Gebäuden benutzt wurde. In der Frühzeit verfügten sie über die Kraft der Levitation, und eine ähnliche, magische Kraft war schon zur Erbauung der Pyramiden und zum Antrieb von Luftschiffen in Atlantis und auf dem im Pazifik versunkenen Kontinent Lemuria (auch Mu genannt) eingesetzt worden.[6] Mit der Hilfe dieser kosmischen Kraft vermochten die Maurer und Arbeiter, die riesigen Blöcke der Pyramiden an die richtige Stelle zu hieven, wo dieselbe Kraft sie dann praktisch fugenlos zusammenschweißte. Alle lebten und arbeiteten dabei in absolutem Gehorsam gegenüber einem unpersönlichen höheren Willen und unter der Leitung einer göttlichen Intelligenz.

Die ägyptische Gesellschaft war sehr auf die Gemeinschaft ausgerichtet. Ägyptische Priester heirateten, hatten Familie und lebten in geräumigen Häusern. Religion, Bildung, Erziehung, Regierungsführung, Ackerbau, Dichtung, Musik, Architektur, Skulptur, Kunst und auch Wissenschaft fußten zudem alle auf spirituellen Erfahrungswerten, nämlich dem Wissen um eine höchste Lebensquelle – die Sonne –, die ihre Dualität durch das männliche Prinzip Ra und das weibliche Prinzip in mehreren Aspekten – einer davon hieß Isis – manifestierte.

Die Hohepriester wussten, dass Wissen, Wahrheit, Liebe, Weisheit und Kraft nur zum Menschen strömen können, wenn Ra’s Licht- und Lebensstrom ständig in sein Herz, sein innerstes Heiligtum, fließt. Dazu musste der Mensch sein Herz bewusst für den Sonnengott öffnen – indem er am Beginn eines jeden Tages zu Ihm betete und Ihn bat, ihm Seinen Willen kundzutun, auf dass seine Arbeit gute Früchte tragen möge.

Die Hohepriester trugen weiße Leinenkleidung, auf dem Kopf eine Krone aus weichen weißen Federn mit einem Goldband, das von sieben Juwelen geschmückt war. In der Haupthalle des Tempels gab es einen Steinaltar, auf dem sieben kleine Öllämpchen auf einem Ständer in der Art eines siebenarmigen Kerzenständers brannten. Hinter und über dem Altar strahlte eine mit Flügeln versehene goldene Scheibe – das Symbol des Sonnengottes Ra. Die Tempel waren umgeben von Gärten mit blühenden Bäumen, Sträuchern, blühendem Wein und Blumen. Sie erzeugten eine wohltuende Atmosphäre der Stille, die es dem Besucher erleichterte, selbst emotional und mental still zu werden. Viele Tempelschüler verfügten über die innere Sicht und konnten die Gärten in ihrer ätherischen Form wahrnehmen: Feen, die in den Blumenbeeten arbeiteten, Gnome, die über die gut gepflegten Wege trotteten, und Elfen, die die Blumen umschwebten. Im Tempel gab es Hallen des Lernens und der Gesetze. Dort wurden die Aspiranten im heiligen Gesetz des Lebens unterrichtet – und wie man es in den verschiedensten Bereichen des materiellen und geistigen Lebens anzuwenden hatte.

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(Das heimische Leben der alten Ägypter war voller Freude, Frieden und Harmonie, und die Architektur unterstützte dies.
Fasten, meditieren – dann erst regieren)

Vor der Ernennung in ein spezielles Staatsamt wurde jeweils eine besondere Zeremonie abgehalten. Das Paar, welches für dieses Amt vorgesehen war (nicht nur der Mann!), hatte sich vorher fastend und meditierend darauf vorbereitet. Am Tag der Ernennung schritten die beiden in die Einweihungshalle und die schweren Tore schlossen sich hinter ihnen. Am Ostende der Einweihungshalle führten sieben Stufen zum Thron des Pharaos, der von Priestern und Ratgebern umgeben war. Die Zeremonie galt als Einweihung zweiten Grades und hatte zum Ziel, die Kandidaten für die Führung durch Helfer aus der unsichtbaren Welt empfänglich zu machen. Gefragt war jedoch nicht Weltabgeschiedenheit; vielmehr mussten die Kandidaten versiert in den Feinheiten ägyptischer Gesetzgebung sein und sich auch in den Prinzipien auskennen, welche der Erziehung, Kultur, Kunst, dem Ackerbau sowie dem häuslichen und religiösen Leben zugrunde lagen. Bei Hofe gab es Schriftgelehrte, die sich auch mit der Gesetzgebung befassten, sowie einen Ältestenrat.

Schweigend gruppierten sich die Offizianten um den Thron herum. Der Pharao erhob sich, streckte beide Arme zum Himmel und rief Ra, den Lebensspender, an, auf dass er sich der Seelen dieser zwei Sterblichen annehmen möge, die nun dem Dienst am ägyptischen Volk geweiht werden sollten. Als Zeichen der Demut und Ergebenheit gegenüber dem höchsten König knieten sie vor dem Pharao. In der Stille, die folgte, war die Anwesenheit von unsichtbaren Wesen zu spüren – von Elementargeistern bis zu den höchsten der Engelshierarchie –, die gekommen waren, um ihren Menschenbrüdern Beistand zu leisten. Obwohl die Zeremonie einfach war und nur wenige Worte gesprochen wurden, bewirkte sie eine Bewusstseinserweiterung bei den beiden Kandidaten und verlieh ihnen tiefere Einsicht in die Bedürfnisse des Menschen, da sie ihre Seele für das Licht und die Kraft öffneten, die vom Sonnengott Ra zu ihnen strömte. Schließlich kam der Pharao von seinem erhöhten Platz herab, nahm ihre Hände und hieß sie aufzustehen. Er hielt zwei Juwelen in einen Skarabäus eingefasst und an einer feinen goldenen Kette aufgehängt; die Rückseite des Skarabäus trug eine Hieroglyphe mit der Bedeutung „Ich diene mit Liebe“. Der Skarabäus war im Übrigen ein Symbol des in der Materie eingekerkerten Schöpfers. Das Paar wurde später dem Volke präsentiert, das es mit Musik und Jubelgeschrei begrüßte.

Gewisse Quellen erzählen davon, dass es zu jener frühen Zeit in Ägypten Bestrebungen gab, die Menschen in ähnlicher Weise in einer Bruderschaft zu vereinen, wie es sie schon in Atlantis gegeben hatte. Sie sollte unter der Führung einer Bruderschaft aufgestiegener Wesen stehen. Wer ihr beitreten wollte, musste bereit sein, persönliche und unpersönliche Dienste in der Gemeinschaft zu leisten. Die Reinheit der Absicht war von höchster Wichtigkeit; zudem sollte der Aspirant den aufrichtigen Wunsch haben, seinen Egoismus zu überwinden, denn dieser ist die größte Barriere zur geistigen Vervollkommnung. Die Ägypter lernten, dass das Licht des Sonnengottes nur ausgesandt werden kann, wenn das niedere Selbst – der dem Herzen innewohnende Egoismus – überwunden worden ist. Jeder eingeweihte Bruder und jede eingeweihte Schwester lernte, dass die Seele bestimmte Qualitäten aufweist, die im Zusammenwirken mit denselben Qualitäten in anderen Brüdern dazu dienen können, ein Licht in die Welt zu strahlen, welches das Beste in der Menschheit weckt. Sowohl Männer wie auch Frauen konnten sich bewerben. Der Kandidat musste sich als wahrer Aspirant des höchsten Lichts durch Selbstdisziplin und Dienst an Armen und Kranken erweisen.

So wurde eine kleine Loge der Weißen Magie ins Leben gerufen. Die spirituelle Kraft der Gruppe formierte sich als sechszackiger Stern, dessen Licht nach Bedarf zu jedem beliebigen Menschen projiziert werden konnte. In Meditationen und Gedankenprojektionen schufen die Mitglieder das Bild eines sechszackigen Sterns und schickten sein Licht in die dunkelsten Orte Ägyptens, zum Trost der Kummervollen, um ihren Weg mit Licht zu erhellen und liebevolle, gerechte und schöpferische Gedanken zu inspirieren. Dies war nur der Beginn einer machtvollen Körperschaft, deren Einfluss den Menschen unter anderem bessere und glücklichere Lebens- und Arbeitsbedingungen bringen sollte. In zwei weiteren Ländern wurden ähnliche Gruppen gegründet. Durch deren unablässiges Wirken wurde das Schicksal der Armen verbessert und das Leben der Wohlhabenden durch Wissensvermittlung verändert sowie Verständnis, Freundlichkeit und Toleranz verbreitet. Mit der Zeit begannen sich die Auswirkungen im gesamten Sozialgefüge, im politischen, kulturellen und religiösen Leben der Menschen abzuzeichnen. Man kann sagen, dass das ägyptische Volk zu jener Zeit ein Maß an Glück und Zufriedenheit erreichte, wie es seit den Tagen, als die weisen Männer vom Mutterland des Westens – Atlantis – gekommen waren, nicht mehr der Fall gewesen war.

Viele Menschen strömten also in jenen frühen Tagen Ägyptens diesen ersten Logen unter der Führung der Großen Weißen Bruderschaft zu. Sie hatten erkannt, wie wichtig ihr eigenes spirituelles Wohlergehen war (anders als heute, wo die meisten Menschen es vorziehen, inmitten des größten materiellen Überflusses geistig zu verhungern). Unter den Eingeweihten gab es Menschen aller Stände: Bauern, Händler, Bauleute, Lehrer und Soldaten. Sie arbeiteten äußerlich weiterhin in ihren angestammten Berufen, taten dies jedoch nun mit einer geistigen Motivation. Auch Schriftgelehrte, Musiker, Tänzer, Offizianten, Ministranten und Priester bewarben sich; viele von ihnen erwiesen sich nach einer Zeit entsprechender Prüfungen und Ausbildung als geeignet für diese Arbeit. Gemeinsam erbauten sie auch Tempel für die Große Weiße Bruderschaft.

— Ende des Artikelauszugs —

Quellen: PublicDomain/zeitenschrift.com

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